Im Weinkeller Politik gelernt: Josef Höchtl ist 75

ÖVP-Politiker Josef Höchtl feierte im Mai seinen 75er und erzählt, wie ihn seine Kindheit in Hadres geprägt hat.

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete Josef Höchtl wurde am 13. Mai 1947 in Hollabrunn geboren und wuchs in Hadres auf. Besonders umtriebig ist er immer noch als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung. Die NÖN besuchte Josef Höchtl, der von Freunden nur Pepi gerufen wird, in seinem Wohnort in Klosterneuburg.

Seine Kindheit im Pulkautal hat den Sohn vertriebener Südmährer sehr stark geprägt. „Hier war quasi meine erste Begegnung von Menschen aus allen Schichten. Ich habe Freude daran, Menschen zu begegnen und mit ihnen gemeinsame Sache zu machen“, erzählt Höchtl. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm sein Deutschlehrer Lois Schiferl in der Hauptschule in Hadres. Er war einer der führenden „Ui-Mundart“-Dichter und gründete 1945/46 die erste österreichische Jugendbewegung, die sich auf das Theaterspielen konzentrierte und nicht politisch war.

Mit 16 Jahren politisch aktiv

Höchtl selbst war im Alter von gerade einmal 16 Jahren Gründer der ersten ÖVP-Jugend in Hadres. Und weil es für die Jugend wenig Angebot gab, gründete Höchtl das „Pulkauer Tanzzentrum“, das sich im Saal eines Hadreser Gasthauses etablierte. Dorthin lud er Nachwuchsbands ein.

Höchtl spielte im Alter von 8 bis 23 Jahren selbst an der Orgel in der Hadreser Pfarrkirche. „Das hat mich der Volksschuldirektor Maurer gelehrt“, erinnert sich der Jubilar und schmunzelt: „Eigentlich wollte er mich zum Ministrieren. Aber mit dem Orgelspielen konnte ich aktiver etwas für das kirchliche Geschehen machen.“

Gerne erinnert er sich auch an die Zeit beim Fußballverein Hadres-Markersdorf zurück: „Ich spielte mit 16 Jahren schon in der ersten Mannschaft. Die Fußballer holten mich am Samstag für das Match vom Gymnasium in Horn ab.“

Nach der ersten Klasse Hauptschule in Hadres wechselte Höchtl 1958 in das Realgymnasium nach Horn. „Mein Vater wollte, dass ich ein Jahr in die Hauptschule gehe, weil er die Auffassung hatte, dass die Elementarausbildung fünf Jahre dauern sollte“, lacht er. Die Heimreise am Sonntagabend ins 40 km entfernte Horn dauerte damals mit dem Zug drei Stunden. Deshalb wohnte der junge Pepi im Bundeskonvikt in Horn.

Binnen zwei Stunden das ganze Vermögen verloren

„Im Gymnasium habe ich das Mundwerk entwickelt, das ich für die Politik brauchte“, sagt Höchtl. Und im Weinkeller in Hadres habe er ebenfalls für das politische Leben gelernt: „Man muss möglichst lange Ausdauer haben. Die, die als Letzte vom Keller heimgekommen sind, haben die Entscheidungen getroffen.“

Pepi Höchtls positive Lebenseinstellung und seine Menschenliebe resultierten auch vom Schicksal seiner Eltern. Durch ihre Vertreibung aus Znaim 1945 hatten sie innerhalb von zwei Stunden ihr ganzes Vermögen verloren. In Hadres baute Höchtls Vater als Raiffeisenbankdirektor eine neue Existenz für Pepi, seine Mutter Dorothea und seine Schwester Dorothea auf. Höchtl bezeichnet sich auch deshalb als „optimistischen Realist“: „Ich habe mich prinzipiell mit Leuten umgeben, die etwas in der Gesellschaft gemacht haben. Man muss immer positiv denken.“

Wie aktiv er noch in der Pension ist, beweist, dass sein 75er mit Gattin Gertraud, Tochter Anna sowie seinen Zwillingssöhnen Andreas und Alexander sowie den Enkelkindern erst mit elftägiger Verspätung gefeiert wurde. Die Familie ist der Region treu geblieben. Die Schwester lebt in Retz, die Ehefrau ist gerne im Nebenwohnsitz in Starrein, die Tochter führt die Arztpraxis in Hardegg, der Schwiegersohn ist Facharzt in Horn. Die Enkelkinder sind, wie der Opa, begeisterte Fußballer.

„Die Enkeltochter läuft wie ein Wiesel und der Enkelsohn schießt die Tore“, lacht Höchtl. Damit er selbst nichts vom Esprit verliert, geht er zweimal pro Woche ins Fitnessstudio. Auch um für das kommende Klassentreffen der Hauptschule in Hadres fit zu sein, zu dem er im Juni anreisen will.